Mein Weg in die WindelFreiheit meines Babys

Norma Burow/ April 26, 2021/ 5 comments

Na da habt ihr ja ein schönes Abhaltebaby! Unsere Tochter schaute manchmal verträumt. Sie war erst einige Tage alt, doch immer beim großen Geschäft, hatte sie diesen verträumten Blick und war ganz in sich versunken. Und das waren die Worte unserer Wochenbett Hebamme, als ich davon erzählte. Ich selber kannte das nur von älteren Kindern und auch aus meiner eigenen Kindheit – jedoch erst als größeres Kleinkind, und dann nur, wenn wir unterwegs waren. Ich erinnerte mich auch daran, dass meine Schwester mir mal von dem Phänomen des abschweifenden Blicks bei ihrer Tochter erzählt hatte, doch in meiner Erinnerung war ihre Kleine bereits älter, so dass ich es gar nicht zusammenbrachte. Sie zeigte uns also, wie wir unser Baby abhalten können und los ging’s.

Norma Burow mit Baby auf dem Arm schaut in die Kamera

Ich halte mein fast dreimonatiges Baby im Arm. Es trägt eine Hose zum leichten Ausziehen

Babys kommunizieren von Anfang an auch über dieses Bedürfnis

Ich hatte ja keine Ahnung! Nach den ersten Erfolgen beim Stuhlgang, weiteten wir das Abhalten aus aufs Pullern. Es machte uns so riesigen Spaß! Und auch unserer Tochter! Wie sie lachte beim Blick in den Spiegel. Waren wir zuhause, haben wir sie immer im Bad über dem Waschbecken abgehalten. Der große Spiegel hat uns ganz schön verwöhnt, half er uns doch abzuschätzen, ob sie fertig war: Wenn der Schließmuskel nämlich arbeitete, deutete sich ein weiterer Schwung an. So manches Mal standen wir gefühlt eine Ewigkeit, bis alles erledigt war.

Waren wir unterwegs, hielten wir sie ab, sobald sie aus dem Tragetuch kam. Waren wir mit dem Auto unterwegs und sie wurde unruhig, machten wir Halt und hielten sie ab oder wechselten die Windel. In meinem Yoga Rückbildungskurs, in anderen Kursen oder auf Besuch bei der Oma, gingen wir sofort mit ihr zur Toilette, sobald wir ankamen oder wenn sie sich bemerkbar machte. Das große Geschäft konnten wir nahezu immer ins Waschbecken bringen, bei Pippi klappte es an manchen Tagen zu 100%, an anderen Tagen eher nicht. Oft habe ich ihre Signale für Pippi nicht verstanden oder war überfordert, dann war das halt so und wir wechselten einfach die Windel. Eigentlich umgehend, denn ich wollte für sie nicht, dass sie eine benutzte Windel länger umbehalten sollte.

Selfie von Norma Burow, das mit ihrem Kind im Tragtuch und dicker Jacke auf einem sonnigen Feld aufgenommen wurde

Ein Spaziergang übers sonnige Feld mit meinem schlafenden Kind im Tragetuch

“Ich fülle auf und mein Mann entleert” – Windelfreie Arbeitsteilung

Ich bin lange mit meinem Baby zusammen ins Bett gegangen; zwischen 22 und 23 Uhr haben wir uns zur Nachtruhe hingelegt und ich habe sie zum Einschlafen gestillt. Währenddessen brachte mein Mann die Kleine an den meisten Abenden bis zu dreimal ins Bad um sie abzuhalten. Ich merkte eben, dass sie pullern musste, weil sie sehr unruhig beim Stillen wurde, zappelte, an- und abdockte und nicht in den Schlaf fand. Dann rief ich ihn und er half ihr, sich zu erleichtern, während ich liegen bleiben konnte. Damals haben wir immer gesagt: Ich fülle auf und er entleert. Perfekte Arbeitsteilung.

Teilzeit Windelfrei – Windelfreie Freiheit!

Wir haben sie weiterhin gewickelt – klassisch mit Wegwerfwindeln. Wenn Pippi in die Windel ging, haben wir die Windel sofort gewechselt. Wir haben soviel Müll in dieser Zeit produziert! Ich verstand lange nicht, was der Streifen an der Windel ist! Irgendwann habe ich kapiert, dass das der Indikatorstreifen ist, der anzeigt, wenn Pippi in der Windel ist. Unabhängig vom Indikatorstreifen, haben wir es auch gerochen: es gab so einen chemischen Geruch sobald Pippi in die Windel ging. Manche Windeln Marken haben wir bald gar nicht benutzt, weil sich zusätzlich zum Geruch noch solche Gelklümpchen gelöst haben.

Anfangs fragte ich mich, warum die Windeln bei anderen Babys, die ich in Kursen als Teilnehmerin beobachten durfte, so aufgequollen und fix aussahen. Außerdem leuchtete doch der Indikatorstreifen. Aus meiner Sicht war ein dringender Wechsel, doch war ich die Einzige, die so dachte. Manche der anderen Eltern wollten wissen, wie wir das machen mit unserem Baby. Wir erzählten davon und auch, dass wir einen erhöhten Windelbedarf im Vergleich mit nicht abgehaltenen Baby haben; sie bestaunten uns, doch ließen ihre Babys weiterhin die Windel als Toilette benutzen: oh sieh mal, es kackt. Während ich mein Baby genau beobachtete und seine Signale und Zeiten beachtete, wünschte ich mir manchmal, ich könnte das alles irgendwie aufschreiben. Mit den andere Eltern in diesen Kursen hatte ich jedoch keine Schnittmenge.

Norma Burow sitzt am PC mit Neugeborenem im Tragetuch an einem Arbeitstisch mit Blick aus dem Fenster

Ich arbeite mich durch den Elterngeld Antrag mit meinem 1,5 Monate altem Baby im Tragetuch

Auf der Suche nach Unterstützung fand ich das Wort ‘windelfrei’ und stiftete Verwirrung

Also durchforstete ich zu dieser Zeit das Internet (damals war ich noch ohne Facebook Account – wie zu dem kam, erzähle ich ein anderes Mal ;-)) auf der Suche nach Unterstützung und Bestätigung für unseren Weg. Ich hatte keine Begriffe für das, was wir da taten, außer ‘abhalten’. Ich habe nach diesem Wort das ganze Internet durchpflügt. Irgendwann, meine Tochter war vielleicht 4-5 Monate alt, stieß ich auf 123-windelfrei.de, den Blog von Nicola Schmidt; hier erfuhr ich, dass ich nicht allein bin mit dem Thema ‘abhalten’, dass ich auch ‘windelfrei’ sagen kann (!) und was ich dafür noch machen und besorgen kann. Außerdem fand ich die Montagsmantras faszinierend und in meinem Handybrowser hatte ich unzählige offene Tabs allein mit Seiten aus ihrem Blog.

Als ich meinem Mann erzählte, dass wir uns auch ‘windelfrei’ nennen können, war er verwirrt, aber okay damit, weil: es war ja nur ein Wort. Doch als ich entschied, wir würden nun gar keine Windeln, sondern ein Backup in Form eines Windelgürtels mit Gästehandtüchern benutzen, brauchte er einen Moment. Alsbald kamen Töpfchen mit extra hoher Rückenlehne dazu und für nachts Moltondecken mit einer Unterlage aus Wollwalk als Nässesperrschutz. Sie war praktisch mit 7 Monaten nachts trocken. Nach kurzen Unterbrechungen in Krankheitstagen ließen wir die Backups wieder weg.

Baby mit langem Shirt zu sehen von hinten

Ich habe für einige Bodys ein Upcycling gemacht: Schwänzchen weggeschnitten und Verlängerung als Bündchen angenäht

Norma Burow liegt mit schlafendem Baby neben sich auf der Terasse. Das Baby hat eine Abhaltehose an.

Mein 8 Monate altes Baby trägt eine Abhaltelatzhose aus Wollwalk, roter Windelgürtel mit Gästehandtuch und Wollwalkstreifen

Ein 1 jähriges Kind von hinten, steht auf einer Leiter und trägt Stulpen sowie ein Gästehandtuch als Backup

So kleideten wir unser Kind ziemlich lange: Stulpen und Gästehandtuch

Ich würde es wieder tun

Ich würde jedes weitere Baby wieder abhalten! Wahrscheinlich würde ich, nun um einiges an Erfahrungen reicher, noch entspannter rangehen. Es war für mich eine Challenge und jedes Pippi oder Kacki sollte aufgefangen werden. Heute wüsste ich, dass ich ein Abhaltetöpfchen verwenden würde, während des Stillens, und auch während der Nacht, um nicht aufstehen zu müssen. Ich würde Stoffwindeln benutzen bzw. früher die Windel weglassen, weil ich gelernt habe, dass Ausscheidungen dazu gehören. Ich würde allerdings auch andere Abhaltepositionen einnehmen; so weiß ich heute, dass die Sitzhöcker und auch die Füße beim Neugeborenen gestützt werden sollten, damit es einen besseren Halt bekommt. Oder, dass auch ich meinen Körper beim Abhalten unterstützen darf, indem ich z.B. einfach ein Bein auf einen Hocker stelle und mich darauf abstütze.

Nachtrag und ein Angebot für dich!

Ich kann mich wirklich gut an die ersten Tage und Wochen mit unserem Baby erinnern. Manches hat mich einfach überfordert: Dieses Nachts-Aufstehen, Brust erwärmen und massieren, damit das Stillen gut funktioniert, während mein Mann das Baby wickelt oder abhält. So manches Mal dachte ich, wow, mein Gehirn ist voller neuer Eindrücke und mein Mental Load extrem hoch. Wo packe ich das alles hin? Wie kann ich mein Baby noch entspannter genießen? Was meint es, wenn es weint: Stillen, Schlafen, Kuscheln, Schmerzen, Kälte/Wärme, Entspannung, Pullern? Wie lerne ich es noch besser kennen? Ich brauche was zum Aufschreiben und loswerden dieser vielen Informationen, doch wie?

Ich teile jetzt mit dir mein Workbook: Eine Anleitung mit 10 Tipps für einen entspannten Start in die WindelFreiheit mit der Möglichkeit all deine Eindrücke aufzuschreiben! Etwas, was ich mir damals gewünscht hätte! Just WINDELFREI.

Norma Burow hält eine Abhaltepuppe über einem Abhaltetöpfchen ab und blickt dabei in die Kamera

Meine Arbeitspuppe und ich beim Abhalten über einem Asia Töpfchen aus Bambus

Share this Post

5 Comments

  1. Hallo Norma,
    so schön geschrieben!

    Danke für deine Windelfrei-Erfahrungen!
    Schöne Idee mit dem Windelgürtel und dem Gästehandtuch.

    Cool, dass es bei dir ein Workbook gibt 🙂

    Liebe Grüße
    Wiebke Gaude
    Windelfrei-Botschafterin vom Artgerecht-Projekt
    http://www.einfach-abhalten.de

    1. Liebe Wiebke, vielen lieben Dank für dein Feedback. So wertvoll! Von einer “alten” Häsin wie dir! Alles Gute!

  2. Pingback: Warum ich 'windelfrei' liebe: Meine 4 liebsten Motive - Dr. Norma Burow

  3. Pingback: Meine 5 wertvollsten Mamahacks für einen entspannten Alltag mit Baby - Dr. Norma Burow

  4. Pingback: Gelegenheiten und Mindset - Mein intensives 2. Quartal 2021

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>
*
*